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Deutschland, 16.08.2000
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Nach dem bestandenen Abitur wollte ich mir, zusammen mit zwei Freundinnen (Jessika und Monika), natürlich etwas gönnen. Möglichst viel sehen und erleben, für möglichst wenig Geld. Also eine Rucksacktour per Interrail, durch irgendein europäisches Land. Dass wir uns dann doch ziemlich schnell auf Spanien eingeschossen hatten, lag mit Sicherheit zu großen Teilen an der Tatsache, dass wir alle schon mindestens einen Spanien-Urlaub hinter uns hatten, der Lust auf mehr gemacht hatte. Jessi und ich waren schon zweimal für je drei Wochen in Salamanca (ca. 100km westlich von Madrid) gewesen, hatten dort in einer Gastfamilie gewohnt und eine Sprachschule besucht und Monika war mit ihren Eltern und Bekannten durch Andalusien gegondelt. Da uns nach sämtlichen Terminen ein Zeitraum von nur drei Wochen blieb, einigten wir uns darauf, uns auf Zentral- bzw. Nordspanien zu konzentrieren. Im Internet suchten wir uns dann Infos über die in Frage kommenden Städte heraus und legten fest, dass wir in Madrid starten und in Barcelona aufhören würden. Alles dazwischen würden wir spontan entscheiden. Für die zunächst ersten beiden Nächte wollten wir dann aber doch schon mal ein sicheres Quartier haben. Die im Führer des Jugendherbergsverzeichnisses aufgeführten Herbergen hatten allerdings nichts mehr frei, wie am Telefon zu erfahren war. Die Mitgliedschaft beim DJHW (Deutsches Jugendherbergswerk) kostet im Übrigen 20.- pro Jahr, dafür ist man in Jugendherbergen weltweit gerne gesehen und bekommt auch regelmäßig Infos.

Wer überhaupt kein Spanisch spricht, muß entweder Glück haben und jemanden erwischen, der gut Englisch kann oder sollte die Möglichkeit nutzen, schriftlich mit den Postkarten des DJHW zu reservieren, denn ich wäre am Telefon, auch in Jugendherbergen, ohne mein Spanisch aufgeschmissen gewesen. Ohnehin ist es empfehlenswert, zumindest jemanden dabei zu haben, der etwas Spanisch kann, da einem sonst viele günstige Pensionen nicht zugänglich sind, bzw. man sich darauf verlassen muss, eine Zimmervermittlung zu finden, die es längst nicht immer und überall gibt. Wir suchten dann Infos über günstige Pensionen und Hostals heraus und nach zwei Telefongesprächen wurde eine günstige Unterkunft bei einem netten, älteren Seņor reserviert.

Mit Interrail für 2 Zonen (Zone E:????????? und Zone F:????????) waren wir gut bedient. Kosten: 497.- DM für einen Monat freies Fahren in den Zonen und 50% Ermäßigung in Heimatland bzw. Transit. Die zusätzlichen Kosten für Tickets bis zur Grenze und Reservierungen für Sitzplätze und einmal Schlafwagen lagen bei 67.- DM.

Abfahrt: 16.8.2000, 9.29 Uhr von Bonn Hbf. Monis Vater war so nett uns zum Bahnhof zu fahren, und spätestens als wir im Zug saßen stieg die Spannung, wie wir uns wohl in den drei nächsten Wochen durch Spanien schlagen würden, ohne jegliche Erfahrung im Rucksackreisen. Zu diesem Zeitpunkt erschreckte mich die Aussicht, meinen Rucksack jemals mehr als vom Bahnhof zur hoffentlich nur 20 Meter entfernten Herberge schleppen zu müssen, auch wenn mein Rucksack nach dem Hieven auf die Gepäckablage im Zug als leichtester galt. Mir hat es dicke gereicht. In Köln hätten wir unseren Anschlußzug dann fast verpennt, weil wir uns im Pressezentrum nicht auf die richtige Reiselektüre einigen konnten. Erleichtert, uns zumindest diese Peinlichkeit nicht geleistet zu haben, saßen wir dann doch um 10.02 Uhr im Zug nach Paris-Gare du Nord.

Da wurde mir dann auch bewußt, warum ich Zugfahren so mag: ich kann mich in Ruhe auf mein Reiseziel einstellen und merke, wie weit ich eigentlich von zu Hause wegkomme. So verbrachten wir alle dann auch die Stunden bis Paris mit aus dem Fenster gucken und zwischendurch den durch Aufregung verpassten Schlaf nachholen. Zum Glück hatte Moni an französisches Geld gedacht, dass vom vorigen Urlaub noch übrig war, also konnten wir uns ohne Probleme Metrokarten nach Montparnasse zum anderen Pariser Bahnhof kaufen, wo wir uns erst einmal von der Brutalität der Metrotüren erholen und ein Croissant genießen konnten.

Von Montparnasse ging es dann weiter zum spanischen Grenzort Irún. Dort stiegen wir auch in den Schlafwagenzug ein, in dem es gar nicht mal so furchtbar unbequem war. Moni hatte uns allerdings kurz vorher die Geschichte eines Bekannten erzählt, der in einem Schlafwagen bestohlen worden war, obwohl er sich seine Wertsachen zwanzigmal um den Kopf gewickelt und selbigen draufgelegt hatte. Zum Glück hatten wir zwei obere Betten reserviert, so dass wir zwei der Rucksäcke in die Gepäckablage am Fußende der Betten verstauen konnten. Den Rucksack mit allen unseren Wertsachen bekam ich anvertraut und er war als Ergänzung zum Kopfkissen doch recht angenehm. Zunächst waren wir etwas beunruhigt, da eine resolute Zugbegleiterin sich unsere Interrails nicht nur zeigen, sondern diese auch gleich mitgehen ließ, aber dann doch überzeugt, dass das nur unserer Sicherheit dienen könne, schliefen wir erschöpft ein.

Von der gleichen lieblichen Stimme am Morgen geweckt brezelten wir uns aus unseren Betten und begrüßten den Morgen irgendwo kurz vor Madrid. Am Bahnhof Chamartín um 7.45 Uhr angekommen, gingen wir erst einmal Toiletten suchen, die zum Glück nichts kosteten und trotzdem passabel waren. Nach Katzenwäsche inklusive Zähneputzen kauften wir uns dann einen Stadtplan und suchten unsere Pension. Nach ungefährer Überlegung, wie diese mit der Metro zu erreichen sei riefen wir noch einmal an, um zu fragen, ab wann wir denn in unserer Zimmer könnten. Wann wir wollen, war genau die Antwort, die wir hören wollten und in nettem Spanisch auch bekamen. Die Metro in Madrid ist ein gut funktionierendes, dichtes Netz, so wie es sich eben für eine solche Stadt gehört. Es gibt keine Mehrtages- sondern nur Mehrfahrtenkarten, aber da man ja, einmal im Netz, soweit fahren kann, wie man will, kamen wir bei geschickter Planung und zentraler Lage mit einer 10erKarte ganz genau hin, die mit 705 Peseten (etwas über 8.- DM, 85 ptas. entsprechen einer Mark) niemanden in den Ruin treibt. Die lapidare Antwort "Las chicas alemanas(die deutschen Mädchen)" auf die Frage wer denn da sei, öffnete uns dann nach kurzer Fahrt und Stadtplanguckerei die Haustür und, glücklich im 4.Stock angekommen, begrüßte uns ein leicht buckliger, dicker alter Mann sehr herzlich, zeigte uns die Zimmer und wir konnten erst einmal erschöpft die Rucksäcke abladen und eine vorgezogene Siesta einlegen.
Da es kein Einzelzimmer gab, bezog Jessi alleine ein Doppelzimmer für 2000 ptas. pro Nacht, Moni und ich machten es uns in einem anderen mit Dusche für 3000 ptas gemütlich. Die Wohnung ist nicht luxuriös, aber einfach eingerichtet und vor allem sauber. Zu diesem Zeitpunkt lächelten wir also noch über das Desinfektionsspray, das Moni mitgenommen hatte. Noch . . . Aber bleiben wir zunächst bei unserer Unterkunft in Madrid. Der nette Seņor spricht sogar ein wenig Deutsch, weil er mal in Österreich gearbeitet hat, und zusammen mit seiner Frau gibt er einem in kurzen Gesprächen auf dem Flur auch gerne Tips, wohin man unbedingt noch reisen muß.
Alles in allem haben wir verdammtes Glück gehabt, da es auch kein Problem war, uns spontan zu entscheiden, noch 4 weitere Nächte dazubleiben, aber sofern man nicht, wie wir, in der Nebensaison reist, sollte man wohl rechtzeitig reservieren. Wer also eine günstige Unterkunft in Madrid sucht, dem sei dieses kleine Hostal unweit der Gran Via wärmstens empfohlen
(Residencia Hostal Bilbao, San Bartolomé, 7 3° Dcha., 28004 Madrid, Telefon: 0036-915 310 839).^Top^   Vor >>

© 2000 by Ursula Kania. Nachdruck, auch auszugsweise, nur nach vorheriger Genehmigung!