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Madrid, 18.8.2000
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_______ Ungefähr um 8.30 Uhr verfluchten wir kurz den Wecker, um dann aber aufzustehen, schließlich stand für diesen Tag der Prado auf dem Programm. Nach einem kleinen Frühstück machten wir uns also auf den Weg, wiederum nur zu Fuß, da die Metrostation, die dem Prado am nächsten liegt, bei uns direkt um die Ecke war. Allerdings muß man auch betonen, dass es einem bei einer so schönen Stadt und vor allem bei diesem Bombenwetter nicht schwerfällt, längere Strecken zu gehen, auch wenn es manchmal bis zu 40°C heiß wird. 250 Peseten Eintritt(mit Schülerermäßigung) sind geradezu lächerlich, wenn man bedenkt, dass man dafür eines der bedeutendsten(und größten) Kunstmuseen besichtigen kann.
Eingang des PradoWir folgten der im Kunstführer beschriebenen Tour, da man an dem Vorsatz, sich alles anzusehen, sowieso nur scheitern kann, wir aber auch nicht nach 30 Sälen erschöpft aufgeben wollten, ohne bestimmte Gemälde gesehen zu haben. Ungefähr viereinhalb Stunden vergingen wie im Flug, wobei man fairerweise sagen muß, dass darin eine ca. 30 Minütige Kaffeepause enthalten ist, die unsere Füße und unser Aufnahmevermögen allerdings auch bitter nötig hatten.
Offenbar überzeugend in unserer Auseinandersetzung mit jedem einzelnen Gemälde (schließlich hat niemand unsere, naja, sagen wir mal laienhaften, Kommentare verstanden), sprach uns dann ein älterer Herr auf Englisch an, der uns vorher lediglich dadurch nicht eben positiv aufgefallen war, dass er uns 1. als einziger nicht überholte und 2. er mit seiner Nase ständig knapp an uns vorbei wie ein kurzsichtiger Vogel Richtung Beschreibungstäfelchen pickte. Er fragte uns, ob wir Kunst studieren würden, wir seien so interessiert, nicht wie die anderen, die immer nur schnell vorbeiliefen. Wir hätten ja gerne ja gesagt, aber der Schwindel wäre wohl zu schnell aufgefallen. Die nächste Frage galt unserer Herkunft, und er verriet uns, dass er zumindest Jessi (wegen ihrer Eleganz) für eine Amerikanerin gehalten hätte, Moni wäre auch noch gerade als solche durchgegangen, aber bei mir war dann Sense, ich sehe nun mal zumindest europäisch aus. Er verriet uns, dass er vor kurzem in Berlin gewesen war und auch bald wieder dorthin reisen würde. Auch beherrschte er einige Brocken Deutsch, seine Trumpfkarte waren allerdings die deutschen Goethe-Zitate, die uns, zugegeben, schon beeindruckten. Nachdem er erfahren hatte, dass ich etwas Spanisch sprach, fragte er zunächst mich zum vermeintlichen Abschied, ob er mir einen spanischen Abschiedskuss geben dürfe.
Na ja, man ist ja kein Unmensch und der Herr schien mehr nett als notgeil, also erfüllten wir ihm Reihum diesen Wunsch. Wenn er uns nicht erst bei einer erneuten Begegnung einen Saal weiter verraten hätte, dass er eine Frau hat, die draußen auf ihn wartet, hätten wir vielleicht sogar Kaffee mit ihm getrunken. Zur Entspannung ging es dann am Nachmittag bis zum frühen abend in den wunderschönen Botanischen Garten(Eintritt ermäßigt 125 ptas.), der ebenfalls am Paseo del Prado liegt. Spanier verstehen es einfach, Gärten anzulegen!Botanischer Garten am Paseo del Prado
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© 2000 by Ursula Kania. Nachdruck, auch auszugsweise, nur nach vorheriger Genehmigung!